'Leipzig Münz-Gasse - Großstadt-Idyll' um 1900, zeitgenössische, colorierte Aufnahme von R.Brauneis. Quelle: Leipziger Blätter 41/2002

Anno dazumal ...
Lauter gute Fragen ...


Warum eigentlich Münzgasse?
Im 17. Jahrhundert stand hier [in Höhe Riemannstraße] das Münztor, in dem Münzmeister Johann Zippel 16-, 8- und 4-Groschen-Stücke prägte. Zippel & Nachfolger aber sparten am Silber - an sich eine gute Idee, leider nur waren nun die Münzen zu leicht und die Münzprägerei wurde alsbald wieder geschlossen. Der Name - zunächst Gasse 'vor dem Münztor hinter dem Petersschießgraben' - blieb.
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Wie kurz ist die Münzgasse?
Sage und Schreibe: Ganze 190 Meter misst unsere Gasse. Um so erstaunlicher, dass es hier heute elf Restaurants, Kneipen und Bars gibt, nicht wahr?
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Wurde hier tatsächlich scharf geschossen?
Ja, die Münzgasse begrenzte nämlich den Petersschießgraben bis zum Bau des Münzblocks 1874. Hier übten sich die Leipziger 'Büchsen- oder Hackenschützen' im Gebrauch ihrer Waffen. Hernach waren die Wege in die Petersvorstadt allerdings um einiges sicherer.
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Was steht in der Münzgassen-Kneipen-Geschichte?
Einiges: Schon um 1900 gab es hier 8 Schenken. Namen wie 'Thomas-Klause', 'Zur kleinen Münze' und 'Restaurant Canitz' [im heutigen Münzblock] überlebten bis in die Nachkriegsjahre und waren Alt-Leipzigern noch 1990 ein Begriff. Mit etwas Glück finden sich noch heute ehemalige Studenten, die in der 'Ponydiele' der frühen 60er Jahre die günstige Pferdebockwurst speisten.
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Wie ging es zu, damals in der Münzgasse?
Sehr lebendig: verschiedene Werkstätten [z.B. Glasschmelzerei & Steinmetz], die Schlachterei in Nr. 12, die Schankwirtschaften und das Fuhrunternehmen 'Schramm & Stamm' mit seinen Pferden sorgten für Leben, aber auch für Lärm, Schmutz und Gestank. In den ersten Etagen wohnten meist die Inhaber der Gewerke und Lokale, oben drüber lebte ein buntes Völkchen: Handelsleute, Schuhflicker, Pferdehändler, Mechaniker und Lohndiener - aber auch der Buchhändler & Verlagsgründer E.A. Seemann [in Nr. 7, einem der besseren Häuser]. Witwen, Näherinnen, Mützenmacherinnen - die Ärmsten - hausten in den Dachgeschossen.
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Aus welcher Zeit stammt die Münzgassen-Bebauung?
Ist Ihnen aufgefallen, wieviele der Münzgassen-Häuser 'korbbogige' Schaufenster zieren? Das war zu damaliger Zeit [1860-80] der letzte Schrei und geschäftsfördernd für Gewerbe und Geschäfte wie Glaser, Sattler, Schneider, Viktualien-Handlungen, Fleischer und Bäcker. Die Häuser sind wohl eines der letzten erhaltenen Vorstadt-Ensembles der Vorgründerzeit und heben sich - zartgliedrig und noch dem Biedermeiergeist verpflichtet - von den bald das Stadtbild dominierenden, prunkvollen Gründerzeitbauten ab.
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Toilette halbe Treppe?
Nicht in der Münzgasse. Die vorgründerzeitlichen Mietshäuser hatten nicht - wie später üblich - ein hofseitig angebautes Treppenhaus, die 'stillen Örtchen' befanden sich in der Wohnung. Bei der damaliger Sanitärtechnik war das allerdings eher Nachteil als Luxus ...
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Quelle: "Eine vergessene Straße erwacht" von Brunhilde Rotbauer in Leipziger Blätter Heft 41/2002
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